Denkendorf
Kindertagesstätte mit Familientreff
Architektur für Gemeinschaft, Bildung und Zukunft
Mit dem Entwurf für das Kinderhaus und den Familientreff in Denkendorf im Landkreis Esslingen entsteht ein identitätsstiftender Baustein für ein sich entwickelndes Quartier in Baden-Württemberg. Inmitten einer heterogenen Umgebungsbebauung positioniert sich das Gebäude als neuer Mittelpunkt für Kinder, Familien und Nachbarschaft. Ziel des architektonischen Konzepts ist es, einen Ort zu schaffen, der Bildung, Gemeinschaft und Alltag selbstverständlich miteinander verbindet und dabei sowohl funktional als auch atmosphärisch überzeugt.
Inspiriert von der Nähe zum Laubwald greift der Entwurf das Bild eines modernen Forsthauses auf und übersetzt dieses Motiv in eine zeitgemäße Architektur für einen Kindergarten und einen Familientreff. Die prägnante Dachlandschaft, die klar gegliederte Kubatur und die sorgfältig abgestimmte Materialität verleihen dem Gebäude eine starke Präsenz und einen hohen Wiedererkennungswert im Stadtraum von Denkendorf.
Lageplan
1.
Aufnahme und Weiterführung der städtebaulichen Fächerung // Schaffung von landschaftlichen Bezügen // Ablesbarkeit der Sondernutzungen
2.
Definition des Vorbereiches // Adressbildung // Aufweiten // Einleiten,
verweben und stärken der Bestandswegeführung // Aufnahme der Straßenachse
3.
Zonierungen Schaffung von differenzierten räumlichen, funktionalen und
sozialen Qualitäten // Wegeführung verschiedene bewegungsfördernde Interventionen
4.
Adressbildung Haus 1 & 2 mit gemeinschaftlicher Eingangszone
5.
Qualifizierung des Außenraums // Baulicher Sonnen - & Wetterschutz //
Überdachter Aufenthaltsbereich
Städtebauliche Einbindung und Lage in Denkendorf
Das Kinderhaus mit Familientreff wird am nordöstlichen Rand von Denkendorf, in unmittelbarer Nähe zur Albert-Schweizer-Schule und zum Jugendzentrum, positioniert. Der Baukörper reagiert in seiner Grundfläche, Höhenentwicklung und Dachform auf die umliegende, heterogene Bebauung und bildet südlich der Planstraße einen ein- bis zweigeschossigen Solitär.
Im Zusammenspiel mit den benachbarten Sondernutzungen entsteht ein städtebauliches Ensemble, das sich radial um die Haupterschließung auffächert. Entlang der Planstraße, die das neue Wohngebiet mit der gewachsenen Struktur von Denkendorf verbindet, liegt der zentrale Eingang für Kinderhaus und Familientreff. Diese klare Adressbildung sorgt für Orientierung, Sicherheit und eine selbstverständliche Einbindung in das Quartier.
Die Positionierung des Gebäudes in der Mitte des Grundstücks ermöglicht zudem eine zukünftige Erweiterung in Richtung Südosten und schafft differenzierte Freiflächen auf der Nordwest- und Südostseite.
Freiraumkonzept – Das „Waldeck“ als Erlebnisraum
Der Außenraum ist ein wesentlicher Bestandteil des Entwurfs. Das Kinderhaus erhält mit seinem Freiraum ein eigenes „Waldeck“, das die architektonische Idee des Forsthauses konsequent fortführt. Durch eine gezielte Geländemodellierung mit Hügeln und Mulden entstehen abwechslungsreiche, thematisch nutzbare Räume, die sowohl Aussichtspunkte als auch geschützte Rückzugsorte bieten.
Für die Ü3-Gruppen wird ein großzügiger, räumlich gestaffelter Spielbereich geschaffen, der sich mit zunehmender Entfernung vom Gebäude von einer baulich geprägten Gestaltung zu einem naturnahen Spielraum entwickelt. Die U3-Bereiche liegen näher am Gebäude und sind durch die Topografie geschützt. Hier steht das sinnliche Erleben von Material, Natur und Bewegung im Vordergrund.
Vor dem Familientreff ist eine eigene Freispielfläche vorgesehen, die auch von der Kita flexibel genutzt werden kann. Die Verkehrserschließung erfolgt über die Planstraße mit klar organisierten „Kiss + Go“-Zonen für das Bringen und Abholen der Kinder sowie getrennten Bereichen für Personal und Anlieferung.
6.
Zwei Häuser 1. Eingang // Gemeinschaftliches Entrée // Überdachte, wettergeschüzte
Eingangszone
7.
Der Mehrzweckraum ist präsent im öffentlichen Raum und fördert damit die Orientierung
der Besucher // Öffnung in Richtung Grün - Gartenbereich Familientreff
8.
Verkehrsberuhigte Zone „ // Verschmälerung der Flurbreite um den Verwaltungsbereich zu
beruhigen und entschleunigen
9.
Die „Alte Eiche“ das klare Herz des Kinderhauses, dient als multifunktionaler Mittelpunkt und ist schnell von den Bereichen der Mensa und des Eingangsbereiches, Mehrzweckraum erreichbar
Erschließung und funktionale Organisation
Das Erschließungskonzept setzt auf Übersichtlichkeit, Sicherheit und klare Hierarchien. Ein zentraler Platz an der Planstraße bildet das großzügige Entrée für Kinderhaus und Familientreff und schafft eine ruhige Vorzone. Die Anbindung an das bestehende Fußwegenetz von Denkendorf ermöglicht eine sichere Erreichbarkeit aus den umliegenden Wohngebieten.
Im Inneren verbindet ein zentral gelegenes, lichtdurchflutetes Foyer die einzelnen Funktionsbereiche. Der Mehrzweckraum fungiert als flexibles Bindeglied zwischen Kinderhaus und Familientreff: Je nach Nutzung können die Bereiche getrennt oder zusammengeschaltet werden, etwa für Feste, Veranstaltungen oder gemeinschaftliche Aktivitäten.
Die Gruppenräume im Erd- und Obergeschoss sind so organisiert, dass Sichtbeziehungen zum Außenraum entstehen und Innen- und Außenbereiche eng miteinander verzahnt sind. Eine zentrale Treppe – als „große Eiche“ im Haus gedacht – erschließt das Obergeschoss und wird selbst zum identitätsstiftenden Element im Raumgefüge.
Architektonisches Konzept und Raumqualität
Das Kinderhaus in Denkendorf versteht sich als Lern- und Lebensraum, der unterschiedliche Formen des Spielens, Lernens und Rückzugs ermöglicht. Unterschiedliche Zonierungen schaffen eine Vielfalt an Raumsituationen: offene Bereiche für Bewegung und Gemeinschaft, ruhige Nischen für Rückzug sowie zentrale Aufenthaltszonen innerhalb der Gruppen und Geschosse.
Materialität, Licht und Farbe werden gezielt eingesetzt, um Orientierung zu schaffen und die Identität der einzelnen Gruppen zu stärken. Die Innenräume sind auf hohe Aufenthaltsqualität ausgelegt und bieten eine angenehme, warme Atmosphäre, die den Alltag von Kindern und Betreuungspersonal gleichermaßen unterstützt.
Auch im Außenraum wird dieses Prinzip fortgeführt: Die Freianlagen sind nicht nur Spielfläche, sondern pädagogischer Erlebnisraum, der Natur, Bewegung und soziales Miteinander verknüpft.
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Außengeräte Funktionsdiagramm // Verortung
Neuer Mehrwert für Denkendorf
Mit dem Kinderhaus und Familientreff entsteht in Denkendorf im Landkreis Esslingen ein zukunftsweisender Ort für Bildung, Begegnung und Gemeinschaft. Der Entwurf verbindet Architektur, Freiraum und Nachhaltigkeit zu einem ganzheitlichen Konzept, das sich sensibel in den städtebaulichen Kontext einfügt und gleichzeitig eine starke, identitätsstiftende Adresse für das Quartier schafft.
Gebäudeschnitte
Detailschnitt
Detailansicht
Materialität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
Der Entwurf setzt auf eine kompakte, wirtschaftliche Baustruktur und die intensive Verwendung nachhaltiger und langlebiger Materialien. Innen kommen unter anderem Kalksandsteinwände zum Einsatz, die sowohl statisch als auch akustisch wirksam sind, während die Außenwände aus hochdämmenden Ziegeln bestehen. Die vorgehängte keramische Fassade sorgt für eine robuste, wartungsarme Gebäudehülle mit hoher Lebensdauer.
Die Gestaltung der Fassade folgt einem durchgängigen, ruhigen Thema, das die unterschiedlichen Nutzungen zusammenbindet und dem Gebäude eine klare, identitätsstiftende Wirkung im Stadtraum von Denkendorf verleiht.
Die Geländemodellierung orientiert sich weitgehend am Bestand, um Erdbewegungen zu minimieren und vorhandenes Material sinnvoll weiterzuverwenden.
Energiekonzept und nachhaltiger Betrieb
Ziel des Energiekonzepts ist es, den Primärenergiebedarf des Gebäudes so gering wie möglich zu halten. Baulicher Sonnenschutz, ein intensiv begrüntes Dach und die Nutzung von Tageslicht tragen zu einem angenehmen Raumklima und zu einem reduzierten Energieverbrauch bei. Die Dachflächen eignen sich für eine Photovoltaikanlage zur Eigenstromerzeugung.
Eine natürliche Be- und Entlüftung sowie die Möglichkeit zur sommerlichen Nachtauskühlung unterstützen ein gesundes Innenraumklima. Regenwasser wird in Zisternen gesammelt und für die Bewässerung der Außenanlagen sowie als Brauchwasser genutzt.
Innenraum // Vertikale Erschließung die “Alte Eiche” // Multifunktionaler Mittelpunkt - Lichtung // Ort für spielerisches Lernen
Projektdetails
Bauherr // Gemeinde Denkendorf
Typologie // Kultur & Bildung
Standort // Denkendorf
Tragwerksplanung // TRAGFORM Ingenieure GmbH, Stuttgart
Brandschutz // Ralf Kludt Sachverständige und Ingenieure, Köngen
Klima & Energie // Transsolar
Landschaftsarchitekt // HINK Landschaftsarchitekten
2022