Husum Kindergarten

1. Bauabschnitt

2. Bauabschnitt

Kindertagesstätte Husum
Entwurf an der Ferdinand-Tönnies-Straße
Architektur und Städtebau für
Bildung, Identität und Nachhaltigkeit in Nordfriesland

Der Entwurf für den Neubau einer Kindertagesstätte an der Ferdinand-Tönnies-Straße in Husum formuliert einen eigenständigen, identitätsstiftenden Baustein im städtischen Gefüge nördlich des Schlossparks. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Klinikum, zum Kreishaus und zur angrenzenden Wohnbebauung positioniert sich das Gebäude als verbindendes Element zwischen sehr unterschiedlichen Maßstäben und Nutzungen und schließt eine städtebauliche Lücke mit einer klaren, selbstbewussten Haltung.

Ziel des Entwurfs ist ein Kindergarten, der städtebauliche Qualität, funktionale Klarheit und hochwertige Freiräume in einem ganzheitlichen Konzept vereint. Übersichtlichkeit, Sicherheit und eine klare Orientierung prägen die räumliche Organisation: Der Haupteingang orientiert sich nach Westen zu einem großzügigen Vorplatz, während die geschützten Außenbereiche nach Südosten ausgerichtet sind. So entstehen gut ablesbare Adressen, sichere Zugänge und zugleich ruhige, sonnige Spiel- und Aufenthaltsflächen für die Kinder.

Lage, Städtebau und Erschließung

Die neue Kita liegt an der Ferdinand-Tönnies-Straße in Husum und versteht sich als vermittelndes Element zwischen Wohnbebauung, öffentlichen Einrichtungen und größeren Bauvolumen in der Umgebung. Die eingeschossige Bauweise orientiert sich bewusst an der Maßstäblichkeit der östlich angrenzenden Wohnbebauung. Durch die lockere Auffaltung des Baukörpers in westlicher Richtung entsteht zugleich eine Brücke zu den höheren und präsenteren Nachbargebäuden.

Die Nord-Süd-Ausrichtung des Gebäudes bildet einen klaren Abschluss zur Straße und ermöglicht gleichzeitig großzügige Freiflächen auf der Süd- und Ostseite des Grundstücks. Dadurch entsteht eine ruhige, zusammenhängende Freiraumstruktur, die das Quartier verbindet und dem Ort eine neue Ordnung verleiht.

Die Erschließung erfolgt überwiegend über das bestehende Fuß- und Radwegenetz sowie über die Ferdinand-Tönnies-Straße. Der gut einsehbare Eingang liegt an der Nord-West-Ecke des Gebäudes und ist als kleiner Platz ausgebildet, der den Übergang von außen nach innen markiert. Dieser Vorplatz versteht sich als öffentlicher Treffpunkt für Eltern, Kinder und Mitarbeitende und bietet Raum für Begegnung und kleinere Veranstaltungen. Das Bringen und Abholen mit dem Auto erfolgt über den angrenzenden Parkplatzbereich an der Ferdinand-Tönnies-Straße, die Stellplätze der Mitarbeitenden liegen ebenfalls straßennah. Ein zusätzlicher Anlieferungszugang befindet sich an der Nordseite in unmittelbarer Nähe der Parkierung.

Lageplan

1.
Ausgangslage

2.
Wegeführung Eingangsdefinition

3.
Aufnahme der städtebaulichen Struktur

4.
Gruppenraumausrichtung in Richtung Süd - Ost

5.
Definition von Schutzzonen Sonnen- Regenschutz

6.
Anpassung auf die östlich liegende
städtebauliche Körnung und Struktur

7.
Akzentuierung der Gruppenraumgliederung // Lichteinfall

8.
Stärkung des Eingangsbereiches Anpassung an die größere westlich liegende Struktur

9.
Qualifizierung der Zwischenzonen durch Oberlichter // Ausbildung der 5. Fassade

Architektur, Gestaltung und Baustruktur

Husum ist geprägt durch den Einsatz lokaler Materialien wie Klinker, Holzschindeln und massive Bauweisen, die dem norddeutschen Klima standhalten. Diese regionale Bautradition bildet die Grundlage für die Materialwahl und die architektonische Ausformulierung des Kindergartens. Die Fassade ist als robuster Sockel mit einer vorgelagerten vertikalen Holzlamellenfassade konzipiert. Die Attika greift mit einer Schindelbekleidung in Anlehnung an den Husumer Wasserturm ein prägnantes lokales Motiv auf. Ein umlaufender Dachüberstand schafft zusätzlichen baulichen Wetterschutz.

Großzügige Glaselemente an ausgewählten Stellen stellen gezielte Bezüge zwischen Innen- und Außenraum her. Im Inneren sind die massiven Bauteile weiß verputzt, während die Erker in den Gruppenbereichen mit Holz verkleidet sind und so eine warme, kindgerechte Atmosphäre erzeugen. Farbliche Akzente setzen die kleinteiligen, bunten Fenster in den Erkern, die zugleich der Orientierung und der Identitätsbildung der einzelnen Gruppen dienen.

Der Grundriss ist durch Funktionalität, Klarheit und Übersichtlichkeit geprägt. Großzügige Aktionsbereiche für Spielen, Singen und gemeinsames Lernen wechseln sich mit geschützten Nischen ab, die Rückzug und Ruhe ermöglichen. Die räumliche Spannung entsteht aus dem Wechsel von geschlossenen Wand- und Deckenflächen und offenen, verglasten Bereichen sowie aus den differenziert geneigten Dachkanten im Innen- und Außenraum.

Die Dachlandschaft interpretiert die vorhandenen nachbarschaftlichen Dachformen auf zeitgemäße Weise. Durch gezielte Öffnungen und vertikale Dachfenster wird Tageslicht kontrolliert in Flure und Gruppenräume geführt. Aus dieser Lichtführung entwickelt sich die prägnante Auffaltung des Daches mit drei Hochpunkten, die dem Gebäude seine charakteristische Silhouette verleihen. Die Dachflächen werden von den umliegenden höheren Gebäuden als „fünfte Fassade“ wahrgenommen und sind entsprechend gestalterisch ausgearbeitet. Die einzelnen Dachelemente sind modular vorgefertigt und werden auf der Baustelle zusammengesetzt.

Erdgeschoss 1. Bauabschnitt

Erdgeschoss 2. Bauabschnitt

Innere Erschließung und Nutzungen

Die innere Organisation gliedert das Gebäude klar in unterschiedliche Funktionsbereiche und ermöglicht eine einfache, intuitive Orientierung. Herzstück ist der großzügige, lichtdurchflutete Foyer- und Eingangsbereich, der als multifunktionaler Raum für Feste, Veranstaltungen und den täglichen Austausch dient.

Ein heller Tageslichtflur erschließt die im Süden und Osten angeordneten Gruppenräume. Vor den Gruppenräumen weitet sich der Flur auf und schafft zusätzliche Spiel- und Aufenthaltsnischen, die zugleich für Garderoben genutzt werden können. Die Gruppenräume orientieren sich nach Osten und Süden und verfügen jeweils über einen direkten Zugang zu einer geschützten, überdachten Terrasse sowie zur offenen Spiellandschaft im Garten.

Die Außenanlagen sind durch eine gezielte Geländemodellierung in verschiedene Themen- und Spielbereiche gegliedert und bieten vielfältige Bewegungsanreize. Gleichzeitig dienen diese Modellierungen als Lärmschutz zur östlichen Wohnbebauung. Sanitärbereiche sind kompakt den Gruppenräumen zugeordnet, ebenso separate Betreuungsräume und Schlafkojen, die jeweils nur über die Gruppenräume erreichbar sind. Zur belebten Ferdinand-Tönnies-Straße hin orientieren sich die Verwaltungsräume, die Anlieferung für die Küche sowie die Lernwerkstätten.

Detailschnitt

Detailansicht

Nachhaltigkeit und technische Konzeption

Das Nachhaltigkeitskonzept setzt auf einen sensiblen Umgang mit Ressourcen und dem Bestandsgelände. Die Geländemodellierung orientiert sich weitgehend am vorhandenen Terrain, um Aushub zu minimieren. Anfallendes Material wird für die Gestaltung der Außenanlagen wiederverwendet.

Die Konstruktion des extensiv begrünten Daches erfolgt überwiegend in Holzbauweise und nutzt damit einen nachwachsenden Rohstoff. Die Dachbegrünung trägt zur Reduzierung von Wärmeverlusten im Winter und zur Kühlung im Sommer bei, die Regenwasserentsorgung erfolgt über Retention. Durch den Einsatz lokaler, langlebiger und gesunder Materialien im Innen- und Außenraum wird eine hohe Nutzungsqualität, Nutzungssicherheit und ein kinderfreundliches Raumklima unterstützt.

Projektdetails

Bauherr // Stadt Husum
Typologie // Kultur & Bildung
Standort // , Husum, Ferdinand-Tönnies-Straße
Brandschutz // Ralf Kludt Sachverständige und Ingenieure, Köngen
2020 Anerkennung

weitere Projekte

upa // urban progressive architecture GbR // Lazarettstraße 14 // 70182 Stuttgart // kontakt@upa.plus